Glaubwürdigkeits-Algorithmus

Das Online-Forum „YourView“ versucht sich an einem Algorithmus, der die Glaubwürdigkeit seiner Nutzer bestimmt.

Sich mit Bürgern über politische Themen in Online-Diskussions-Foren auszutauschen ist oft nicht einfach, da niemand sich schnell eine Meinung schaffen kann, weil die Auseinandersetzungen meist kein Pro oder Kontra zulassen. Oft ist es auch sehr schwierig herauszufinden, welche Argumente wirklich fundierter Natur sind. Die Online-Diskussionsplattform „YourView Australia“ bietet seit Anfang Mai nun eine außergewöhnliche Lösung an.

Der Gründer Tim van Gelder hat sich entschlossen, den Status und die Reputation für Online-Diskussionen aufs Neue festzulegen. Die Maßnahmen sind relativ Simpel gehalten, hierbei sollen die Kommentare nicht mehr chronologisch festgehalten, sondern ausschließlich nach deren Glaubwürdigkeit erscheinen. Dieser Vorgang soll den Nutzern helfen, berechtigte Argumente herauszufiltern. Unteranderem soll es auch den Politikern dabei helfen, ein Meinungsbild ihrer Wähler zu erlangen, welches sich von den herkömmlichen Auswertverfahren unterscheidet.

Die „YourView“ Messbarkeit

Auf der YourView-Plattform soll die Glaubwürdigkeit der Argumente von Nutzer gemessen werden: Bei der Ermittlung der verlässlichsten Beiträge läuft ein Algorithmus im Hintergrund der Plattform und wertet die Beiträge und das Verhalten der Nutzer über ein sogenanntes „Wissenstugenden“ Tool aus.

Das Tool berücksichtigt ganz automatisch die Standards und die Philosophie für gute Diskussionen. Gemessen wird unter anderem die Aufrichtigkeit, Unabhängigkeit und die Informiertheit der Teilnehmer. Dabei definiert Tim van Gelder die Auswertung der Aufrichtigkeit bereits über die Nutzung eines Pseudonyms oder des Bürgerlichen Namen.

Ob die teilnehmende Person bereits lange vor ihm das Internet genutzt haben und ob diese aus einer Zeit stammen, wo Pseudonyme gleichwertig mit dem eigenen Namen zu setzen sind, berücksichtigt er nicht. Hier scheint, Tim van Gelder einige Entwicklungsprozesse des Internets einfach nicht zu kennen – denn es gibt tatsächlich Menschen, die sich aus Ehrenwerten gründen für ein Pseudonym entschieden haben – hierbei handelt es sich um die Gleichstellung aller die sich an Diskussionen Beteiligen und unterstützt die Meinung ohne eine Wertung über die Zuordnung von Geschlecht oder Herkunft zuzulassen.

Die „YourView“ Analyse

Van Gelder geht noch einen Schritt weiter und will dieses Verfahren noch optimieren – dabei sollen die Inhalte der Kommentare nicht analysiert werden.

Die Frage wie er denn nun pro und kontra Argumente auswerten und der Allgemeinheit zur Verfügung stellen will, schwebt im luftleeren Raum des ganzen Konzepts. Das Verhalten eines Teilnehmers soll den individuellen Status auf seiner Plattform „YourView Australia“ bestimmen, um so höher der Status gewertet wird – desto höher rücken die Kommentare in der Foren-Liste nach oben.

Zu den Details der „Bewertungsalgorithmen“ möchte sich Tim van Gelder nicht weiter äußern, da er nicht möchte, dass das System von den Nutzern ausgetrickst wird – die Frage nach: „Welche Nutzer er auf seiner Internetplattform erwarte“, spare ich mir an dieser Stelle.

Laut den Studien von US-Politikwissenschaftlers Ilya Somin erhält Tim van Gelder recht. Da die Meinungen der Befragten nicht auf allen Informationen beruhen würden. Gibt man nun den Befragten alle Informationen zu einem politischen Thema, so würden die Meinungen auch anders ausfallen. Ob hierbei die gleichen Kriterien wie für die USA anzusetzen sind, wurde anscheinend nicht diskutiert und auch nicht, ob bei der Informationsfreigabe nicht bereits eine subjektive Meinung durch den „Befrager“ kundgetan wird.

Der Tim van Gelder Algorithmus wird nicht Open Source angeboten, da es zu „Manipulationen“ durch die Nutzer kommen könnte – somit werden auch jegliche Chancen auf Transparenz und Entwicklung vertan – scheinbar reichen die Standards der Politikwissenschaftler aus, um die Allgemeinheit zu analysieren, schließlich basiert das System von „YourView“ auf dem vertrauen seiner Nutzer.